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Existenzgründung II

DIHK-Gründerreport 2017

„Talfahrt mit Lichtblicken“

Jährlich erstellt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag einen Gründerreport für Deutschland. Bereits seit sechs Jahren geht die Zahl der Existenzgründungen hierzulande zurück. Dabei lag im Jahr 2016 die Zahl der IHK-Gespräche mit Gründerinnen und Gründern erstmals unter 200.000. Gegenüber 2015 verzeichnen die IHKs ein Minus von 6,8 Prozent auf 191.940. Immerhin konnte die Talfahrt etwas gebremst werden – im Vorjahr lag der Rückgang sogar bei zehn Prozent.

„Mit der weiter guten Lage am Arbeitsmarkt wollen erneut weniger Personen aus Mangel an Erwerbsalternativen gründen“ heißt es im aktuellen Bericht. Zudem bieten Unternehmen qualifizierten Fachkräften gute Konditionen im sicheren Angestelltenverhältnis. Damit sinkt die Bereitschaft, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Ein weiterer Faktor ist die Demographie, denn die besonders gründungsaffinen Jahrgänge zwischen 25 und 45 Jahren schrumpfen.

Gründungsinteresse im internationalen Vergleich gering

Mit einer internationalen Vergleichsstudie hat der DIHK mit dem Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft das Gründungsgeschehen in Deutschland, Großbritannien und Israel untersucht. Die Ergebnisse weisen auf ein seit Jahren vergleichsweise geringes Gründungsinteresse in Deutschland hin. Hierzulande kommen 4,4 Gründer auf 1.000 Erwerbsfähige. In Großbritannien sind es mit 8,3 fast doppelt so viele, in Israel sogar 11,6.

IHKs sehen Lichtblicke

Im Jahr 2016 waren etwa acht Prozent der Interessenten dem Segment der stark wachstumsorientierten Startups zuzuordnen – zwei Punkte mehr als bei den ersten entsprechenden Untersuchungen in den Jahren 2006 sowie 2009 und ein Punkt mehr als im Jahr 2013. Das Gründungsmotiv „unternehmerische Berufung“ hat gegenüber „Mangel an Erwerbsalternativen“ seit fünf Jahren die Oberhand gewonnen, verbunden mit deutlich besserer Vorbereitung der Beratenen auf ihren Start. Gegen den Trend haben 31 Prozent mehr Personen IHK-Gründertage besucht, um den gleichen Prozentsatz ist die Zahl der Mail-Anfragen gestiegen. Allerdings gehen viele Interessenten nach dem ersten „Hereinschnuppern“ dann doch nicht den weiteren Weg – ein Muster, das die IHKs seit einigen Jahren beobachten. 

Frauen und Männer weiter fast gleichauf

42 Prozent aller Gründungsgespräche haben IHKs mit Frauen geführt. Doch nicht alle gründen: Viele Frauen berichten,dass sie nicht die Möglichkeit hatten, Gründungskapital anzusparen, hilfreiche berufliche Netzwerke zu knüpfen. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf würde mehr Müttern sowie auch Vätern hier helfen und zudem häufiger eine Vollzeit-Selbstständigkeit ermöglichen.

Geflüchtete fragen IHK-Gründerservice nach

Im Jahr 2016 haben sich rund 700 Geflüchtete bei den IHKs zur Unternehmensgründung erkundigt. Das ist in Relation z. B. zur Gesamtzahl von 158.515 Einstiegsgesprächen ein noch kleiner Anteil, allerdings mit steigender Tendenz. Die IHKs berichten von ersten Gründungen im Handel, in der Gastronomie, vereinzelt auch in der IT-Branche. Neben schwieriger Finanzierung sehen die IHKs vor allem Rechtsunsicherheit und mangelnde Deutschkenntnisse als Starthürden.


Vernetzung unterstützen, Infrastruktur ausbauen

Für mehr Gründungsdynamik in Deutschland macht der DIHK aus der Praxiserfahrung von fast 200.000 Gesprächen mit Gründungsinteressierten u.a. folgende Vorschläge:

Vernetzung unterstützen

Über die IHKs können sich Gründerinnen und Gründer untereinander und mit der etablierten Wirtschaft treffen. So haben die IHKs im Jahr 2016 Existenzgründer mit 191.940 Gesprächen und Kontakten sowie Gründertagen mit 62.007 Teilnehmern unterstützt. Vor allem innovative und wachstumsorientierte Startups suchen auch überregionale Vernetzung. Entsprechende Plattformen sollte die Politik in Bund und Ländern initiieren.

Digitale Infrastruktur ausbauen

Deutschland braucht einen Fahrplan zur flächendeckenden Glasfaser- und modernen Mobilfunk-Infrastruktur. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass innovative Startups überall in Deutschland und auch im ländlichen Raum gute Startvoraussetzungen finden. Für unternehmerische Anwendungen sind bereits heute Glasfaseranschlüsse erforderlich. Gerade innovationsorientierte Startups nennen in den Beratungsgesprächen häufig Defizite bei der Verfügbarkeit schneller Internet-Verbindungen.

Weitere Empfehlungen und der gesamte DIHK-Report als pdf zum runterladen hier.


Kontakt

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Postanschrift:

11052 Berlin
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Internet: www.dihk.de