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Qualifikation eigener Mitarbeiter mithilfe des WeGebAU-Programms

Arbeitsagentur zahlt Unternehmen Weiterbildungskosten

Chancen und Risiken am Arbeitsmarkt werden bei Arbeitnehmern entscheidend von der Qualifikation bestimmt. Gering Qualifizierte und Ältere tragen das mit Abstand größte Arbeitsmarktrisiko. Zugleich ist ihre Beteiligung an Weiterbildungen gering. Das versucht das WeGebAU-Programm der Bundesagentur für Arbeit zu ändern. Wie, das zeigt das Beispiel von Pancrazio Ariano in der Walter Förster GmbH in Geesthacht.

Pancrazio Ariano mit Ausbilder Stanislaus Schmidt

Das Unternehmen produziert Metallteile für Kunden aus der Medizin-, Mess- und Regeltechnik, Energietechnik oder Luftfahrt und beschäftigt heute rund 100 Mitarbeiter. Vor zehn Jahren waren es weniger als 60. Der Anteil der Facharbeiter in der Produktion ist seit 2007 von 38 auf aktuell 43 Prozent gestiegen. „Derzeit suchen wir Facharbeiter als Maschineneinrichter und einen Ingenieur. Allerdings gestaltet sich die Gewinnung von Fachkräften zunehmend schwieriger; teilweise dauert es mehrere Monate, bis freie Stellen besetzt werden können. Aus diesem Grund ist die eigene Ausbildung fester Bestandteil unserer Personalstrategie“, so Iris Wilhelm, kaufmännische Leiterin und Prokuristin der Walter Förster GmbH.

Immer weniger Bewerbungen um eine Ausbildung

Aktuell hat das Unternehmen sieben Auszubildende, die zum Werkzeug- oder Zerspanungsmechaniker ausgebildet werden. „Aber es wird immer schwerer, geeignete Kandidaten für die Ausbildungen zu finden, da auch die Zahl der Bewerbungen für die Ausbildungsstellen rückläufig ist. Früher erhielten wir gut 40 Bewerbungen, heute sind es nur noch zehn“, erklärt der Ausbilder und Leiter Werkzeugbau, Stanislaus Schmidt. Deshalb hat das Unternehmen die Qualifizierung ungelernter Produktionshelfer in den Fokus gerückt und fördert deren Entwicklungspotentiale. So war es auch bei Pancrazio Ariano, der seit dem 15. September in der Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker bei der Walter Förster GmbH ist. 

Erst Produktionshelfer – jetzt Azubi

Der 26-jährige Italiener fing Anfang 2017 als Produktionshelfer bei Förster an. Mit seinem italienischen Abitur in der Fachrichtung Bautechnik hatte Ariano bislang nur Helferjobs gefunden. Er fiel Iris Wilhelm aber bereits bei seiner Bewerbung und im Vorstellungsgespräch wegen seiner hohen Motivation und Leistungsbereitschaft auf. „Das übertrug sich dann auch auf seine Arbeit, wo er sehr gute Leistungen zeigte. Dazu kam sein fachliches Geschick und so haben wir ihm bereits nach drei Monaten eine betriebliche Ausbildung angeboten“, erzählt Iris Wilhelm. Doch hätte sich die Ausbildung in einem normalen Ausbildungsverhältnis nicht realisieren lassen. Allein mit der Ausbildungsvergütung hätte Ariano seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten können. 

50-prozentigen Zuschuss zum Arbeitsentgelt

Die Firma kontaktierte den Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter und über das Programm WeGebAU – Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen – konnte die Ausbildung schließlich realisiert werden. Für die Dauer der um ein Jahr verkürzten Ausbildungszeit erhält Ariano nun weiterhin seinen Lohn von der Firma Walter Förster GmbH. Dazu werden die Kosten für die Berufsschule übernommen. Förster bekommt als Ausgleich während der Ausbildung einen 50-prozentigen Zuschuss zum Arbeitsentgelt von der Agentur für Arbeit. 

Gutes Beispiel macht Schule

Ariano und seine in Süditalien lebende Familie freuen sich sehr über seine Ausbildung. Besonders stolz, so der Azubi, sei sein Vater, der mehr als 20 Jahre als Schweißer in Deutschland gearbeitet habe, bevor er nach Italien zurückkehrte. Der 26-jährige investiert selbst viel in sein berufliches Weiterkommen und lernt an der Volkshochschule in einem Abendkurs weiter Deutsch. Denn viel Zeit bis zur Zwischenprüfung hat er nicht. Die steht aufgrund der verkürzten Ausbildungszeit bereits im April dieses Jahres an. Bei der Walter Förster GmbH hat Arianos Weg bereits Vorbildcharakter. „Es hat sich ein weiterer ungelernter Mitarbeiter gemeldet, der sich für eine Ausbildung interessiert“, freut sich Prokuristin Wilhelm.

www.walter-foerster.de


Umfassende Hilfe für Kleinstunternehmen

„Die Betriebe können mit dem WeGebAU-Förderprogramm ihre Mitarbeiter qualifizieren und stärken zugleich die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Das ist immer eine win-win-Situation für Arbeitnehmer und Unternehmen“, erklärt Dr. Heike Grote-Seifert, Chefin der Agentur für Arbeit in Bad Oldesloe.

Selbst Kleinstbetriebe mit bis zu neun Mitarbeitern können das Programm nutzten. Grote-Seifert: „Gerade Kleinstunternehmen haben es im Wettbewerb bei der Suche nach qualifiziertem Personal häufig schwer. Um sie bei der Ausbildung eigener Mitarbeiter besser zu unterstützen, können wir bei ihnen die Weiterbildungskosten über das WeGebAU-Programm jetzt vollständig übernehmen.“

Unternehmen, die sich für das Förderprogramm interessieren, sollten sich direkt an ihren Ansprechpartner im Arbeitgeber-Service wenden oder den Arbeitsgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter über die kostenfreie Service-Nummer 0 800 - 4 55 55 20 kontaktieren.