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Thema - Frauen in Führungspositionen


Die Entwicklung und Ausgestaltung unserer modernen Gesellschaft und Berufswelt wird auch vom Wandel der Geschlechterverhältnisse sowie der Rolle der Frau geprägt. „Frauen sind die besseren Chefs“ belegen wissenschaftliche Studien. Und doch wird die Welt der Wirtschaft - besonders in den Führungsebenen - weiterhin von Männern dominiert. Die WFL hinterfragt Gründe und Hintergründe für dieses Gesellschaftsbild und porträtiert Frauen aus dem Herzogtum Lauenburg, die in Führungspositionen „ihre Frau stehen“. 

Teil 1: Monika Horstmann, Tischlerei Horstmann in Lauenburg/Elbe


WFL-Serie – Frauen in Führungspositionen (1) – Monika Horstmann

„Zeigen, dass man zurecht an der Spitze steht“

Die Entscheidung, die traditionsreiche Tischlerei Horstmann in Lauenburg/Elbe zu übernehmen, ergab sich für Monika Horstmann 2008 überraschend und nicht freiwillig. Fast zehn Jahre später blickt die Chefin in der von Männern dominierten Welt des Handwerks auf eine persönliche Erfolgsgeschichte zurück.

Starkes Team hinter einer erfolgreichen Geschäftsfrau: Monika Horstmann mit den Mitarbeitern ihrer Tischlerei in Lauenburg/Elbe

Obwohl die von der Frauenbewegung geforderte Gleichberechtigung von Mann und Frau seit Jahrzehnten politisch, juristisch und gesellschaftlich Unterstützung erfährt, ist die Zahl weiblicher Führungskräfte in Deutschland nur wenig gestiegen und bekommen Frauen für vergleichbare Arbeit im Durchschnitt noch immer weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Zudem übernehmen sie im Privaten einen Großteil der unbezahlten Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeiten.

Neben klassisch weiblichen Arbeitsbereichen wie Pflege oder Service sind die Chefetagen großer Konzerne und vor allem technische Berufe sowie das Handwerk im Allgemeinen weiterhin Männerdomänen. Wer sich dort als Frau durchsetzen will, muss sich fachlich besonders deutlich qualifizieren. Die Hürden für Frauen, Führungsaufgaben zu übernehmen, sind dort ungleich höher als für Männer. Als Monika Horstmann aus Lauenburg 2008 vor die Entscheidung gestellt wurde, Chefin zu werden, geschah dies unerwartet und unfreiwillig. Der plötzliche Tod ihres Mannes Martin hatte neue Tatsachen geschaffen. 

Schwierige Situation gemeinsam mit der Belegschaft gelöst

Zusammen hatten die Eheleute den Traditionsbetrieb - 1893 von Tischlermeister August Horstmann gegründet – in vierter Generation geführt. Ehemann Martin als Meister und Lehrherr, seine Frau Monika, selbst Gesellin des Tischlerhandwerks, in der Buchhaltung. Gemeinsam mit der Belegschaft wurde die Lage besprochen und analysiert. Am Ende stand die Entscheidung, den Betrieb unter Leitung der Chefin fortzuführen. Mit Spezialitäten wie Ladenbau, Schiffsinnenausbau und Einrichtungen für Hotels und Gastronomie verfügt das Unternehmen über eine exzellente Reputation.

„Am Anfang war es eine schwierige Situation. Ich hatte zwar den Gesellenbrief, war nun aber von der Bürokraft zur Chefin aufgestiegen“, erinnert sich die 47-Jährige. Sie übertrug einzelne Verantwortungsbereiche und besprach sich mit ihren Fachleuten, wenn es um die Umsetzung der Kundenwünsche ging. Andere Bereiche übernahm sie und gestaltete diese. Dazu gehörten Detailabsprachen mit Kunden und vor allem die Preisgestaltung. 

Als Frau zeigen, dass man führen kann

„In den ersten beiden Jahren musste ich meinen Leuten schon zeigen, dass ich die Firma als Frau zu führen in der Lage bin“, so Monika Horstmann. Haben sich die Rollenverhältnisse innerhalb des Unternehmens seit langem eingespielt, wird sie noch heute immer wieder mit männlichen Denk- und Handlungsmustern konfrontiert. Etwa, wenn Handelsvertreter oder Neukunden das Büro betreten und nach dem Chef fragen. „Sie müssen schon mit mir sprechen“, ist dann die freundliche Antwort. Manchmal reicht diese dem Gesprächspartner nicht aus, weil es offensichtlich an der Vorstellungskraft fehlt, mit einer Frau über Werkzeuge oder technische Details reden zu können.

„Auch auf Baubesprechungen wird oft nach meinem Chef oder dem Meister gefragt, und ich muss dann im Gespräch in den ersten Sätzen zeigen, dass ich zurecht in der Position der Chefin bin“, erklärt Horstmann. Anfang 2017 übernahm ihre Tischlerei einen Auftrag innerhalb eines großen Bauvorhabens als einer von vielen kleinen Subunternehmern. Als dem Bauherrn das Geld ausging, war es schließlich die gebürtige Schwäbin, die für alle beteiligten Handwerksfirmen als Generalunternehmerin gegenüber den Banken und dem Kunden auftrat. Monika Horstmann war die Einzige, die in Sachen Bürgschaften und Forderungsmanagement die nötigen Qualifikationen und Erfahrungen hatte. 

„Die Frauenquote ist kontraproduktiv“

2018 feiert die Tischlerei Horstmann ihr 125-jähriges Jubiläum und ihre Chefin ihr Zehnjähriges an der Spitze des Betriebes. Ein Jahrzehnt voller Erfolge, gemeisterter Herausforderungen wie das Elbehochwasser 2013 und großer Neuerungen und Innovationen wie die Photovoltaikanlage (2013) für die eigene Stromversorgung.

Was war an diesem Weg als Frau besonders anstrengend? „Dass man immer wieder seine Kompetenzen nachweisen muss und dass man zurecht in der Führungsposition steht.“ Monika Horstmann weiß aber auch von Vorteilen des Frauseins: „Weil ich oft unterschätzt werde, habe ich meist schneller einen persönlichen Zugang zu den Menschen.“ Dabei ist ihr aufgefallen, dass sie mit Frauen als Verhandlungspartnern viel härter verhandeln muss als mit Männern.

Wenn die Firma 2023 ihr 130-jähriges Bestehen feiern wird, sollen die Söhne Ivo und Ole - heute 24 und 23 Jahre alt und in der Ausbildung und im Studium - den Betrieb leiten. Das ist das große persönliche Glück der zweifachen Mutter, die zur Stärkung ihres Geschlechts in der Unternehmenswelt das Instrument „Frauenquote“ strikt ablehnt: „Das ist sogar kontraproduktiv, weil ich als Frau erst recht nicht ernst genommen werde, wenn ich meinen Job durch eine Quote bekommen habe. Die Frauenquote degradiert zudem alle Frauen, die schon in Führungspositionen sind.“ Für Monika Horstmann ist die Lösung dieser Geschlechterfrage ganz einfach: „Wir brauchen ein Umdenken in der Gesellschaft.“

www.horstmann-einrichtung.de


„Frauen sind die besseren Chefs“

Frauen wie Monika Horstmann wissen, dass sie ihren männlichen Kollegen in der Welt von Arbeit, Führung und Organisation ebenbürtig sind. Aber stimmt das? „Ich glaube, dass Frauen besser organisieren können und mehr Qualitäten in der Personalführung haben“, sagt die Unternehmerin aus Lauenburg.

Für eine aktuelle Studie haben norwegische Wissenschaftler 2.900 Führungskräfte - darunter 900 Frauen - befragt. Für sie ist ein guter Vorgesetzter vor allem durch folgende fünf Eigenschaften gekennzeichnet: Er hält Stress aus, ergreift Initiative, fördert Innovationen, unterstützt andere und kann Ziele effektiv erreichen. Das Ergebnis: Frauen sind die besseren Chefs.

Demnach sind Frauen „in Bezug auf Persönlichkeit besser für Führungspositionen geeignet als ihre männlichen Kollegen“. Sie kommunizieren klarer, sind offener für Innovationen, gewissenhafter und besser darin, Mitarbeiter zu unterstützen. Damit schneiden sie in vier von fünf Kategorien besser ab als Männer. Nur in puncto Stressbewältigung haben diese die Nase vorn. Frauen machten sich häufiger Sorgen - das schwäche ihre emotionale Stabilität.

In Deutschland ist etwa nur jede fünfte Chefposition in mittelständischen Unternehmen mit einer Frau besetzt. In Dax-Konzernen ist es sogar nur jede zehnte, wie eine weitere Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young zeigt.

Die norwegischen Forscher weisen darauf hin, ihre Studie nicht zu verallgemeinern. Denn natürlich gebe es männliche Chefs, die besonders kommunikativ und gewissenhaft seien sowie weibliche Vorgesetzte, die kaum auf ihre Mitarbeiter eingingen.