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Die Entwicklung und Ausgestaltung unserer modernen Gesellschaft und Berufswelt wird auch vom Wandel der Geschlechterverhältnisse sowie der Rolle der Frau geprägt. „Frauen sind die besseren Chefs“ belegen wissenschaftliche Studien. Und doch wird die Welt der Wirtschaft – besonders in den Führungsebenen - weiterhin von Männern dominiert. Die WFL hinterfragt Gründe und Hintergründe für dieses Gesellschaftbild und portraitiert Frauen aus dem Herzogtum Lauenburg, die in Führungspositionen „ihre Frau stehen“.

Teil 2: Annemarie Argubi- Siewers, INI Qualifizierung & Service gGmbH Lauenburg/Elbe


WFL-Serie – Frauen in Führungspositionen(2) – Annemarie Argubi-Siewers

Selbstständig für die Rechte der Frauen

An der Spitze der INI Qualifizierung & Service gGmbH in Lauenburg steht Mitgründerin Annemarie Argubi-Siewers. Die 74-Jährige schlug in einem bewegten Berufsleben viele Wege ein, studierte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre und übernahm in jedem ihrer Jobs Verantwortung und Führungsaufgaben.

Annemarie Argubi-Siewers und INI-Mitarbeiter Karsten Schütt

Zur Bildungsarbeit kam Annemarie Argubi-Siewers durch die innerdeutsche Wiedervereinigung. Gerade hatte sie ihr zweites Studium zur diplomierten Volkswirtin in Hamburg abgeschlossen, als die Mauer fiel. In Dresden komplettierte sie das Heer der westdeutschen Verwaltungskräfte, die im Osten für die Neuorganisation des Personalwesens in der Wirtschaft gebraucht wurden. „Im Prinzip ging es darum, die vielen Arbeitslosen in eine dann schließlich westdeutsche Unternehmenskultur einzugliedern“, erinnert sich Argubi-Siewers. Doch nach nur einer Woche wurde ihr die Leitung der DAA-Außenstelle in Hagenow angeboten und sie griff zu. Dorthin konnte sie von ihrem Wohnort Geesthacht pendeln.

Wie schwer es sein kann, als Frau seinen selbst bestimmten, beruflichen Weg zu gehen und „unter Männern“ Verantwortung zu übernehmen, erfuhr Annemarie Argubi-Siewers schon sehr früh, nur dass es in den 50er und frühen 60er Jahren niemandem auffiel – auch ihr nicht. Gleichstellung und Emanzipation waren noch keine öffentlichen oder allgemeinen Themen. 

Entschlossen gegen Ungleichbehandlung

Der Vater besaß eine Tankstelle, in der seine Tochter von ihrem 12 bis 18 Lebensjahr mitarbeitete. In der 10. Klasse meldete er sie ohne Rücksprache vom Gymnasium ab. Als die junge Frau später die Tankstelle übernehmen wollte, bekam sie zu hören: „Bring mir den richtigen Schwiegersohn.“ Es sollte noch einige Zeit vergehen, bis Annemarie Argubi-Siewers irgendwann dachte: „Ich bin als Mädchen unterdrückt worden.“ In diesem Moment begann ihr Engagement für die Rechte der Frauen.

Sie besuchte die Höhere Handelsschule und arbeitete jeweils ein paar Jahre und immer in Vollzeit in der Verwaltung verschiedener Firmen. Der Impuls zu ihrem ersten Studium kam 1973 durch ein Schlüsselerlebnis. In der Exportabteilung einer internationalen Hamburger Firma im Bereich Petrochemie beschäftigt, bekam sie eines Tages einen neuen, jungen Kollegen. „Als ich erfuhr, dass der für die gleiche Arbeit 700 Mark mehr im Monat bekam, war ich empört“, so Argubi-Siewers.

Gerade mit ihrem zweiten Kind schwanger kündigte sie, ging zum Arbeitsamt und begann nach der Entbindung die Umschulung zur Betriebswirtin. Das dreijährige Studium schloss sie 1975 ab. Sie fand eine Anstellung in der Leitung einer Privatklinik in Ahrensburg. Seit dieser Zeit arbeitet Annemarie Argubi-Siewers kontinuierlich mit EDV – also von den digitalen Anfängen bis heute. 

Engagement für die Rechte der Frau

Viel Bewegung und nicht Alltägliches gab es auch im Privatleben von Annemarie Argubi-Siewers. Die Ehe mit dem Vater ihrer drei Söhne, einem Ausländer mit türkisch-arabischen Wurzeln, verlief zwischen Islam und Christentum in gegenseitiger Toleranz und Achtung vor dem Anderen und Anderssein. Zudem brachte ihr deutlich älterer Mann noch fünf Söhne mit in die Ehe.

Nach 20 Jahren Ehe folgte die Trennung und die allein erziehende Mutter kehrte 1986 aus dem Harz ins Lauenburgische zurück. Im März 1987 organisierte sie mit anderen Frauen in Geesthacht das erste Frauenfest, das sich jährlich wiederholen sollte. 1991 wurde der Verein „Fraueninitiative“ ins Leben gerufen. 2011 folgte ergänzend die Gründung der INI Qualifizierung & Service gGmbH, nachdem ein dreijähriges ESF-Programm eingeworben worden war. Heute steht Argubi-Siewers zwei Bildungseinrichtungen mit rund 35 Mitarbeitern vor. 

Chancen ausloten und gestalten

Von Männern dominiert waren im Leben von Annemarie Argubi-Siewers auch ihre beiden Studiengänge der Betriebs- wie Volkswirtschaft. Doch war dies weder an der Uni noch danach im Bereich der Bildungsarbeit ein relevantes Thema. In der Leitungsposition fühlt sich die gebürtige Hamburgerin in der Bildungsarbeit für den Kreis sehr wohl und arbeitet immer noch gern. „Ich brauche Freiraum und suche immer neue Ufer, will Chancen ausloten und gestalten“, sagt Argubi-Siewers. 1995 hatte sie parallel auch noch die AWO-Fachschule für Altenpflege gegründet und bis 2010 geleitet.

Ihren Führungsstil bezeichnet Argubi-Siewers als sachlich überlegt. Sie, die eigentlich Jura studieren wollte, findet, dass Frauen sensibler und subtiler bei geschäftlichen Verhandlungen agieren als Männer. „Ich achte sehr auf meine Sprache und deren Wirkung, betrachte mein Gegenüber und überlege, was ich erreichen kann“, sagt die INI-Geschäftsführerin. Bei Verhandlungen argumentiert sie ausführlich, um ihre Position zu untermauern und stärkt ihre Forderungen am liebsten durch Fakten: „Ich habe den Anspruch, das Feld, auf dem ich mich bewege, sachlich zu beherrschen - auf den Tisch hauen ist keine Option.“

www.ini-quali.de


Bildung und Ausbildung

Die Arbeit der INI Qualifizierung & Service gGmbh richtet sich insbesondere an die Bedürfnisse von Älteren, Langzeitarbeitslosen und Alleinerziehenden, die infolge ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes oder aufgrund ihrer sozialen oder wirtschaftlichen Verhältnisse auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Dies gilt auch für Menschen mit Migrationshintergrund. Zur Verwirklichung der Ziele werden zum einen zahlreiche Projekte zur beruflichen Qualifizierung durchgeführt, zum anderen diverse Service-Leistungen angeboten.

Dazu gehören bildungspolitische Veranstaltungen für Frauen, Jugendliche und Migranten, Bildungs- und Weiterbildungsberatung für Arbeitslose und Geringqualifizierte, berufliche Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierte, Förderung und Begleitung von Alleinerziehenden als Hilfe zur Selbsthilfe, Teilzeit-Qualifizierungsmodule zwecks Qualifizierung und Ausbildung von Alleinerziehenden und Menschen mit pflegebedürftigen Angehörigen, Betriebliches Gesundheitsmanagement und die Beteiligung an regionalen und überregionalen Bildungsnetzwerken.


Unterstützung von bedürftigen Menschen

Der Verein Fraueninitiative e.V., als Bildungsträger und Muttergesellschaft der INI, will Frauen helfen sowie Gleichberechtigung weiter durchsetzen. Solange die Chancengleichheit von Frauen in unserer Gesellschaft nicht verwirklicht ist unterstützt sie Frauen in allen Lebensbereichen. Für Bedürftige wurde ergänzend von diesem Verein die Tafelausgabe für Geesthacht übernommen.

Die neu gegründete BimBa gGmbH plant den Bau eines Wohnhauses für ganz junge Mütter mit ihren Kindern. Hierbei steht die Fortsetzung von Schul- und/oder Berufsausbildung der Mütter im Vordergrund.


Kontakt

Email: info@ini-quali.de

Telefon: 04153 / 569 90 50

Adressen:

Reeperbahn 35, Haus 1,
21841 Lauenburg

Buntenskamp 7-9,
21502 Geesthacht

Wasserkrüger Weg 7,
23879 Mölln