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Der Vergaserservice von Jens-Peter Adam in Hamfelde

Ein Autodidakt mit exklusiver Dienstleistung

Die Älteren von uns kennen es noch, jüngere Menschen nur, wenn sie alte Autos fahren. Plötzlich läuft der Wagen nicht mehr rund, geht einfach aus, springt schlecht an oder ruckelt beim Gas geben. Ein Problem mit dem Vergaser. Jens-Peter Adam aus Hamfelde ist einer der Wenigen in Deutschland, der diese Technologie warten und reparieren kann und hat jede Menge Arbeit.

Do it yourself: In der Werkstatt wird gedreht und gefräst, was es nicht mehr zu kaufen gibt.

Es fing schon mit den ersten Mopeds an und setzte sich nahtlos bis zum ersten, gebrauchten PKW fort. Der Vergaser in alten Fahrzeugen war ein sensibler und launischer Bereich. Dieses fragile Bauteil aus kleinen und Kleinstteilchen mit Schwimmernadel und -kammer, Drosselklappen und Düsen konnten immer nur wenige verlässlich warten oder reparieren. Und heute, wo Young- und Old Timer überall erhalten und restauriert werden, hat der Vergaserservice von Jens-Peter Adam alle Hände voll zu tun.

Werkstatt im Kuhstall

„Im Moment haben wir sechs bis acht Wochen Vorlauf“, sagt der 52-Jährige, der erst im Januar 2013 mit Frau Martina von Hamburg nach Hamfelde in ein altes Bauernhaus zog. Hier entstanden auf knapp 400 Quadratmetern Gewerbefläche auf dem ehemaligen Heuboden ein Montageplatz, Lager und Büro sowie eine Werkstatt im ehemaligen Kuhstall.

Die Kunden von Adam kommen aus ganz Deutschland. Und was der Postbote täglich bringt, ist mindestens 20 Jahre alt, eher 40. „Grundsätzlich geht alles irgendwann mal kaputt“, weiß der Experte, der für die Reparatur eines Vergasers zwei bis acht Stunden benötigt.

Bis zu 60 Einzelteile

Alt und neu: Auf Oldtimer-Messen zeigt Adam diesen gut zur Hälfte restaurierten Vergaser.
Alter Engländer: Diese reparaturbedürftigen Vergaser stammen von einem Triumph TR6, Baujahr 1969-76.

Repariert werden alle Marken „außer Amis und Japaner“. Nach der Reinigung im Ultraschallbad, werden die Vergaser in ihre bis zu 60 Einzelteile zerlegt. Manchmal ist nicht sofort zu erkennen, wo der Fehler liegt, und manchmal fragt sich der Fachmann: „Wie konnte der überhaupt noch laufen?“

Alle Komponenten aus Aluminium und Zinkdruckguss werden gewaschen und glasperlgestrahlt, ebenso die Stahlteile, die dann noch neu verzinkt werden. Was beschädigt ist, wird durch Neuteile oder selbst hergestellte Teile ersetzt. Viel Arbeit gibt es, wenn sich Teile aus Zinkdruckguss verzogen haben. Dann muss ausgedreht und eine entsprechend größere Drosselklappe eingesetzt werden. Ein häufiges Problem, wenn ein Fahrzeug lange gestanden hat, weiß Adam.

Vom Autodidakt zum Experten

Adam selbst bezeichnet sich gern als Autodidakt. Früher hatte er mit einem Partner einen Komplett-Reparatur-Service für VW-Käfer. Nach der Trennung konzentrierte er sich auf die Arbeit mit den Vergasern. Und die begann quasi in der Jugend mit seinem ersten Moped, setzte sich beim Kauf des ersten Autos, natürlich einem VW-Käfer, fort und wurde zu einer umfassenden Aufgabe, als er sich mit 21 als Student (Fahrzeugbau) einen Austin Healy Sprite (Frogeye) in England kaufte. Adam: „Der Vergaser funktionierte nicht, und kein Mensch konnte mir helfen.“

 

Weltweite Ersatzteillogistik

Grundsätzlich erneuert werden die Düse, das Düsennadel- und Schwimmernadelventil, die Drosselklappe, Drosselklappenwelle sowie der Dämpfer und die Dämpferfeder und natürlich alle Dichtungen. Adam bestellt Ersatzteile in England, Italien (Überholsätze für VW-Käfer) und Deutschland (Düsen). Teile für englische Vergaser bestellt er bei einem Fachhändler im australischen Sidney. Was es nicht mehr zu kaufen gibt, wird in der eigenen Werkstatt angefertigt.

„Im Prinzip können wir alles selbst fertigen, was man fräsen und drehen kann“, sagt der Fachmann in Sachen Vergasertechnologie, der sich selbst als Autodidakt bezeichnet. Fachliche Hilfe bekommt Adam dabei von drei Pensionären die als ehemalige Maschinenbauer, Werkzeugmacher und Dreher auf 400-Euro-Basis in der Werkstatt ihr Können einbringen.

www.su-stromberg.de