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Unternehmen

Worlée-Chemie GmbH in Lauenburg

Vorbild für nachhaltiges Wirtschaften

Es ist keine Neuigkeit für Unternehmer, dass sich Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften für Mensch und Betrieb auszahlen. Doch ein wenig spektakulär ist es, wenn sich ausgerechnet eine Firma aus dem Bereich der chemischen Industrie hier als Vorbild und Vorreiter präsentiert. Seit 1851 hat das Familienunternehmen Worlée seine Kompetenzen auf diesem Gebiet entwickelt und ausgebaut.

Die Worlée-Chemie GmbH im Lauenburger Gewerbegebiet an der Palmschleuse.

Zweimal Umweltpreis der Wirtschaft, fünf „Responsible Care“-Auszeichnungen und Mitglied im Kreis der Klimaschutz-Unternehmen – bei einer solchen Aufzählung denkt man an Hersteller von Bio-Nahrungsmitteln oder fair gehandelten Textilien. Doch mit der chemischen Industrie werden Wörter wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Regel nicht in Verbindung gebracht. Die Worlée-Chemie GmbH in Lauenburg zeigt, wie es geht.

Seit mehr als 160 Jahren beliefert das Familienunternehmen Kunden aus der Farben- und Lackindustrie mit hochwertigen Rohstoffen „Made in Germany“. Was mit einem kleinen Handelshaus in Hamburg begann, ist heute ein international agierendes Chemieunternehmen. Worlée stellt in Lauenburg und Lübeck auf modernsten Produktionsanlagen Bindemittel und Additive her. Das Vertriebsnetz reicht über Europa hinaus bis Asien, Afrika, Nord- und Südamerika.

Mit Blick in die Zukunft

Mehr als 250 Mitarbeiter produzieren in den zwei Werken Produkte, deren Qualität die gesetzlichen Standards oft mehr als erfüllt. Die Verantwortung für nachfolgende Generationen wird im Betrieb gelebt: „Viele Manager sehen nur das Hier und Jetzt. Wir wollen unsere Harze hingegen nachhaltig produzieren, immer mit Blick in die Zukunft“, sagt Inhaber Reinhold von Eben-Worlée. So werde sowohl bei der Produktion als auch beim Endprodukt kontinuierlich nach Möglichkeiten gesucht, noch effizienter und umweltschonender zu arbeiten. Worlée konnte seine Energieeffizienz in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent steigern. Maßnahmen wie Wärmerückgewinnung aus Kompressoren, Isolierung heißer Anlagenteile oder permanente Druckluft-Leckage-Überwachung führten hier zum Erfolg. Seit 2013 ist das Energiemanagement nach ISO 50001 zertifiziert.

Nachhaltigkeits-Initiative „Chemie3“

Als Pilotunternehmen der Nachhaltigkeits-Initiative „Chemie3“ verpflichtete sich Worlée in diesem Jahr, seine internen Abläufe in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales auf den Prüfstand zu stellen. Ein neunköpfiges, internes Team wurde mit der Aufgabe betraut, Verbesserungspotentiale zu identifizieren. Fünf Maßnahmen haben sich aus der Prüfung abgeleitet, die gegenwärtig umgesetzt werden. Das erregt in der Branche Aufmerksamkeit und macht Schule: In den kommenden Jahren soll der so genannte „Nachhaltigkeits-Check“ auch bei anderen Unternehmen der chemischen Industrie zum Einsatz kommen.

Auch bei den ausgelieferten Rohstoffen zeigt sich, dass sich die Chemie und chemische Industrie in puncto Umweltfreundlichkeit stetig weiterentwickelt. Worlée ersetzt schon seit vielen Jahren in immer mehr Produkten Lösemittel durch Wasser. Ein speziell entwickeltes Verfahren macht dies möglich. Das ermöglicht die Produktion von umweltschonenden Farben und Lacken.

Zum Thema Nachhaltigkeit sprachen wir mit Jan Eschke, Energie- und Umweltmanager der Worlée-Chemie GmbH

Jan Eschke, Energie- und Umweltmanager der Worlée-Chemie GmbH

WFL: Herr Eschke, wie verlief die Entwicklung bei Worlée zu einem nachhaltigen und umweltbewussten Unternehmen?

Eschke: „Wir waren von Beginn an ein Handelshaus für natürliche Rohstoffe und sind ja auch Zulieferer der Nahrungsmittelindustrie. Alkydharze basieren auf Pflanzenölen. Es ist uns gelungen, die organischen Lösemittel - durch ein spezielles Verfahren zur Emulgierung in Wasser - zu ersetzen. Bei Worlée gab es immer ein Bewusstsein dafür, dass die Ressourcen sorgfältig genutzt werden müssen, weil sie begrenzt sind.“

WFL: Wie steht es mit den Kosten? Zahlt sich das Engagement für die Umwelt aus?

Eschke: „Es gibt Umweltschutzmaßnahmen wie Vorkehrungen für die Situation eines Notfalls, die sich nie rechnen. Wir haben aber festgestellt, dass Energieeffizienzmaßnahmen wirtschaftlich sind. Es ist eine Frage der Amortisation. Bei technischen Installationen sprechen wir bereits bei einer Anlagennutzungszeit ab sechs Jahren von einer internen Verzinsung von zehn Prozent.“

WFL: Warum sollten Unternehmen dem Beispiel von Worlée folgen?

Eschke: „Es bedarf einer Grundeinstellung – auch mit der sozialen Komponente gegenüber den Mitarbeitern, die für die Betriebe ja zunehmend wichtiger wird. Der Unternehmer muss Know-how erwerben und eine Idee davon bekommen, was möglich ist im Betrieb. Er selbst oder ein Mitarbeiter sollte sich damit befassen. Hat niemand dafür Zeit, kann ein externer Berater geholt werden. Besonders KMU können dann zahlreiche Förderprogramme nutzen.“

 

„Import von natürlichen Harzen und Bindemitteln“

Seit mehr als 160 Jahren handelt Worlée mit Rohstoffen aus dem In- und Ausland. Bereits im Jahr 1851 gründete der Hamburger Kaufmann Emil Heinrich Worlée sein Unternehmen für den Import und Handel von natürlichen Harzen und Bindemitteln, um in der industriellen Revolution die aufblühende Farben- und Lackindustrie mit Beschichtungs­roh­stoffen zu versorgen.

Heute wird das Familienunternehmen in der fünften Generation geführt. Aus dem einstigen Handelshaus ist ein modernes, international operierendes Industrie- und Dienstleistungsunternehmen geworden, das sowohl Nahrungsmittelrohstoffe veredelt und vertreibt als auch industrielle Rohstoffe für die Farben-, Lack- und Kosmetikindustrie fertigt und distribuiert.


Umweltzertifizierte Produkte

Anfang 2014 wurden aus dem Worlée-Portfolio zum ersten Mal zwei Produkte mit dem „Cradle to Cradle“-Zertifikat ausgezeichnet. Das von Prof. Dr. Michael Braungart, dem Leiter des Hamburger Umweltinstituts, entwickelte Konzept bescheinigt Produkten eine besondere Nachhaltigkeit, indem ein „Cradle to Grave“-Prinzip (abbauen-produzieren-wegwerfen) verhindert wird und stattdessen ein natürlicher Stoff­kreis­lauf entsteht.

Seinen kreativen und innovativen Weg will das Lauenburger Familien­unter­nehmen weiter gehen. Für 2015 sind bereits neue Projekte in Planung. Darüber informiert Worlée auch kontinuierlich im Internet.

www.worlee.de


Schritte zur Nachhaltigkeit

2014Pilotunternehmen in der "Chemie3" Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen chemischen Industrie
2013Zertifizierung nach ISO 50001 (Energiemanagement)
2013Zertifizierung nach OHSAS 18001 (Arbeitssicherheitsmanagement)
2011Die Worlée-Chemie GmbH erhält den Umweltpreis der schleswig-holsteinischen Wirtschaft
2010Aufnahme in die bundesweite Exzellenzinitiative Klimaschutz-Unternehmen
20091. Preis beim Responsible Care Wettbewerb des VCI-LV Nord (Verband der Chemischen Industrie)
2004Umsetzung des Sicherheitsmanagementsystems
2000Zertifizierung nach DIN EN ISO 14001
1997Einführung des Öko-Audits
1996Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001