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Zukunftsforum Wirtschaft Herzogtum Lauenburg

2. Veranstaltung zu dem Thema: Wie bewältigen wir den demografischen Wandel?

Der Auftakt am 8. November 2012 war vielversprechend. Jetzt geht das Zukunftsforum Wirtschaft Herzogtum Lauenburg in die nächste Runde. Im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative der Stiftung Herzogtum Lauenburg, WFL und IHK Lübeck wird zum Thema Demografie am 14. Februar 2013 erneut in den Möllner Stadthauptmannshof eingeladen: Die Bevölkerung überaltert. Es mangelt an Fachkräften und Auszubildenden. Der Kreis steht vor großen Herausforderungen. Lesen Sie hierzu ein Interview mit Michael Birgel von der  Kreisverwaltung.

Interview mit Michael Birgel, Leiter des Fachbereichs Regionalentwicklung und Bauen beim Kreis

Michael Birgel

Herr Birgel, bis zur Wende 1989 galt das Herzogtum Lauenburg als Zonenrandgebiet und strukturschwacher Raum. Wie hat sich die Bevölkerung im Kreis seitdem entwickelt?

Michael Birgel: In der Tat löste die Wende eine dynamische Entwicklung im Kreis aus. Günstige Bodenpreise sowie die wiedererlangte Lagegunst zwischen Hamburg und Berlin beförderten die wirtschaftliche Entwicklung. Nicht nur neu erschlossene Gewerbegebiete fanden kurzfristig Investoren, sondern eine immense Nachfrage nach Wohnbauflächen entfachte im gesamten Kreisgebiet eine rege Planungs- und Bautätigkeit.

In den entstehenden Neubaugebieten siedelten sich vordringlich junge Familien aus Hamburg oder den neuen Bundesländern an und das führte in nahezu allen Gemeinden zu einem deutlichen Anstieg der Einwohnerzahlen und einem ausgewogenerem Bevölkerungsaufbau in den Kommunen. Parallel dazu mussten dort Infrastruktureinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Versorgungs- und Entsorgungsanlagen, Kläranlagen etc. dem wachsenden Bedarf angepasst werden.

Die Bevölkerung im Kreis wuchs von 1990 bis heute um mehr als 32.000 auf 187.000 Einwohner an, wobei sich nach der Jahrtausendwende die Entwicklung spürbar abschwächte und gleichzeitig um die Arbeitsplatzzentren konzentrierte. Im Augenblick hat sich ein indifferenter Status zwischen leichtem Bevölkerungsrückgang und geringem Wachstum - bezogen auf das gesamte Kreisgebiet - eingestellt.

Was bedeutet die aktuelle Veränderung der Bevölkerungsstruktur für den Kreis und die Kreisverwaltung?

M. Birgel: Zunächst ist klarzustellen, dass der Demografische Wandel und seine Folgen nicht plötzlich vom Himmel fallen, sondern Prozesse sind, die sich seit langem ankündigen, aber hier im Kreis durch andere Faktoren überdeckt werden.

Betrachtet man nur die natürliche Bevölkerungsentwicklung ist der Saldo aus Geburten – und Sterbeziffern bereits seit vielen Jahren negativ. Das dynamische Bevölkerungs­wachstum der letzten Jahrzehnte basiert daher ausschließlich auf einem positiven Wanderungssaldo.

Dieser Effekt beruht überwiegend auf der verkehrsgünstigen Lage zu den Arbeitsplatzzentren in der Metropolregion Hamburg, geringeren Bodenpreisen im Vergleich zu anderen Kreisen im Hamburger Umland sowie attraktiven Wohnstandorten. Die immer deutlicher erkennbaren Veränderungen der Bevölkerungsstruktur stellen für den Kreis eine Chance und Herausforderung zugleich dar.

Der Anteil der Menschen über 65 Jahre sowie der Hochbetagten an der Gesamt­bevölkerung nimmt ständig zu. Gleichzeitig gehen die Anteile der Kinder und Jugendlichen sowie der Personen im erwerbstätigen Alter in einigen Kommunen zum Teil dramatisch zurück. Die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur sind im Kreis aber unterschiedlich ausgeprägt.

Gemeinden mit deutlichem Einwohnerzuwachs, weiterem Bedarf an Einfamilien­haus­grund­stücken und Kindergartenplätzen im Ordnungsraum um Hamburg stehen Gemeinden mit Bevölkerungsstagnation, Gebäudeleerstand und nicht ausgelasteten Infrastruktureinrichtungen in den Randlagen gegenüber. Deshalb sind nach Analyse der Entwicklungsperspektiven auf die jeweilige Situation vor Ort abgestimmte Handlungskonzepte zu erarbeiten.

Aufgabe der Kreisverwaltung ist es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich auch weiterhin Unternehmen und Menschen hier im Kreis ansiedeln. Hierzu gehören zum Beispiel die Bereitstellung von attraktiven und bezahlbaren Wohnbau- und Gewerbeflächen, Wohnungen, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, ein angemessenes Nahverkehrsangebot, attraktive Aus- und Weiterbildungsangebote sowie Betreuungseinrichtungen für Kinder und alte Menschen.

Was ist Ihre Prognose für die Zukunft? Welchen Herausforderungen steht der Kreis gegenüber?

M. Birgel: Eine noch nicht abgeschlossene kleinräumige Bevölkerungsprognose für den Kreis bis 2025 klingt auf den ersten Blick recht positiv. Für das gesamte Kreisgebiet wird neben der voranschreitenden Alterung der Bevölkerung nur ein Rückgang von 2000 bis 3000 Einwohnern erwartet.

Gleichzeitig wird weiterhin ein zusätzlicher Bedarf an Wohnraum in einer Größenordnung von 2000 bis 3000 Wohneinheiten - vordringlich in kleinen Wohnungen und nicht mehr in Einfamilienhäusern - prognostiziert.

Da die Entwicklung in den einzelnen Städten und Gemeinden in Teilgebieten des Kreises vollkommen unterschiedlich verlaufen wird, wird eine Herausforderung darin bestehen, für die jeweilige Gemeinde oder einen Teilraum die richtige Strategie mit den entsprechenden Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.

Eine weitere Herausforderung, aber auch Chance sehe ich in der Wohnraumsituation und der Mietpreisentwicklung in den benachbarten Oberzentren Hamburg und Lübeck.

Keine Frage: Das Herzogtum Lauenburg gehört zu den erfolgreichen ländlichen Regionen im Norden. Der Kreis profitiert von gewachsenen Strukturen, engagierten Unternehmern und günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dennoch stellen die Veränderungen und Probleme der demografischen Entwicklung auch das Lauenburgische vor große Aufgaben. Zukünftige Herausforderungen und Chancen auf vielen wirtschaftlichen Feldern verlangen eine aktive Diskussion.

Die zweite Veranstaltung des „Zukunftsforum Wirtschaft Herzogtum Lauenburg“ fokussiert deshalb am Donnerstag,
den 14. Februar 2013
, mit ausgewiesenen Experten die Perspektiven und Entwicklungen der Region. Nach der Begrüßung durch Stiftungspräsident Klaus Schlie (19 Uhr) spricht der Projektleiter Demografischer Wandel der Bertelsmannstiftung, Carsten Große Starmann, über „Demografie konkret – Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten“.


Expertenrunde

An der folgenden Gesprächsrunde, die wieder von Norbert Radzanowski moderiert wird, nehmen neben Starmann teil: Thomas Klahn (Unternehmer und Rechtsanwalt), Rainer Burghardt (Vorstandsvorsitzender Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg), Lars Schöning (stv. Hauptgeschäftsführer IHK Lübeck) und Rainer Voß (Bürgermeister Ratzeburg). Nach Erfahrungsaustausch und Fragen aus dem Publikum wird WFL-Geschäftsführer Werner Hesse abschließend einen Ausblick wagen. Im Anschluss an den Abend startet dann auch das Online-Forum zum Thema Demografie.