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Zehn Jahre Geesthachter Innovations- und Technologiezentrum

Zehn Jahre Geesthachter Innovations- und Technologiezentrum

Wirtschaftsförderung für Wissenschaftler

Wissenschaftler haben brillante Ideen, forschen und entwickeln zukunftsweisende Technologien. Im Geesthachter Innovations- und Technologiezentrum (GITZ) bekommen sie seit mehr als zehn Jahren die nötige Starthilfe, um sich als Unternehmer selbständig zu machen. Nicht wenige haben zuvor im benachbarten Helmholtz-Zentrum (HZG) an ihren Innovationen geforscht. Hat sich eine Firma etabliert, macht sie Platz für einen Neueinsteiger. Eine Erfolgsgeschichte.

Der Physiker Dr. Rainer Döhl-Oelze ist Geschäftsführer des GITZ  seit dessen Eröffnung 2002.
Der Physiker Dr. Rainer Döhl-Oelze ist Geschäftsführer des GITZ seit dessen Eröffnung 2002.
Fotos: Uwe Steinmeyer

Einfach betrachtet ist das GITZ ein „Technologie-Hotel“. So sieht es jedenfalls sein Geschäftsführer, Dr. Rainer Döhl-Oelze. Seit den Anfängen 2002 steht der 57-jährige in Person für die Idee des Hauses – begleitendes Wachstum an einem Ort. „Wir verstehen und als Wirtschaftsförderer im technologieorientierten Bereich“, sagt der promovierte Physiker und meint: „Der Wissenschaftler hat eine Idee und wir helfen ihm bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.“ So werden an geschichtsträchtiger Stätte aus zündenden Ideen erfolgreiche wirtschaftliche Konzepte. Auf dem Gelände, das sich GITZ und HZG teilen, stand einst die Fabrik von Alfred Nobel, der hier mit der Erfindung des Dynamits die Welt veränderte.

Der erste Schritt in die Selbständigkeit ist ein Business-Plan. „Wir nehmen nicht jeden, sondern müssen überzeugt davon sein, dass die Geschäftsidee erfolgreich sein wird“, so Döhl-Oelze. Sind diese Voraussetzungen gegeben und auch die Bank optimistisch, mietet ein Start-Up-Unternehmen im GITZ seinem Bedarf entsprechend Räume an. Spätere Weltmarktführer starteten hier auf 20 Quadratmetern.

Nachhaltige Unternehmensentwicklung

Das Konzept: Die Existenzgründer konzentrieren sich voll auf ihre Arbeit, denn von der Internet- und Büro-Logistik, über die Kaffeeküche und Kantine bis zum professionell ausgerüsteten Konferenzraum ist alles andere vorhanden. „Die Unternehmen sollen sich nachhaltig entwickeln“, erklärt Döhl-Oelze. Dazu werden flexible Mietverträge abgeschlossen, wer wächst, bekommt mehr Platz. Nach acht Jahren – so die Regel – verlassen die Firmen das GITZ und machen Platz für die nächsten Neueinsteiger.

Zwei Mal wurde in den vergangenen Jahren bereits angebaut, so groß ist die Nachfrage. „Wir haben jetzt knapp 6.000 Quadratmeter; das braucht man für einen wirtschaftlichen Betrieb“, stellt Döhl-Oelze fest, der sich momentan oft wie ein Herbergsvater in der Hochsaison fühlt: „Wir sind voll bis auf den letzten Raum und können momentan Anfragen nicht bedienen.“ Vor Sommer 2013 rechnet der Geschäftsführer nicht mit freien Flächen.

Nachhaltige Investitionen

Als „Wiege für den erfolgreichen Mittelstand von morgen“ steht das GITZ in einer Reihe mit 13 weiteren Technologie- und Gründerzentren in Schleswig-Holstein. In den vergangenen 20 Jahren wurden diese vom Land und der EU mit rund 90 Millionen Euro gefördert. Doch allein in 2010 erwirtschafteten die etwa 500 in den so genannten Nordzentren angesiedelten Unternehmen mit ihren rund 2.700 (2011) Arbeitsplätzen einen Gesamtumsatz von 255 Millionen Euro. Das hat Auswirkungen auf die Regionen in ihrem Umfeld. In die öffentlichen Kassen fließen jährlich mehr als 15 Millionen Euro Einkommens- und Gewerbesteuer zurück.

„Die Erfolgsquote für Neugründungen in den Technologiezentren ist überdurchschnittlich hoch – gut 95 Prozent der Firmen sind nach fünf Jahren noch am Markt“, erklärt Döhl-Oelze. Das GITZ steht stellvertretend für diese Erfolgsgeschichte mit wiederholt hohen Auszeichnungen für dort ansässige Betriebe. 2005 erhielt die RIFTEC GmbH – von drei ehemaligen Ingenieuren des Helmholtz-Zentrums gegründet – den begehrten Schmidt-Römhild-Technologiepreis für ein Spezialschweißverfahren bei niedrigen Temperaturen. Dafür gab es 2008 auch noch den KfW-Unternehmenspreis, wobei die Geesthachter sich bundesweit gegen 230 andere Firmen durchsetzten. Heute ist RIFTEC mit seinem Rührreibschweißverfahren Marktführer in Deutschland.

International ausgezeichnet

Das GITZ selbst holte 2008 im Rahmen der „Best Practices in Science Based Incubators“ in Paris im weltweiten Wettbewerb der wissenschaftsnahen Technologiezentren die Auszeichnung in der Kategorie „Self-Sustainability“ ins Lauenburgische. Die Nachhaltigkeit (engl. sustainability) der Leistungsmerkmale des GITZ, für die der Preis verliehen wurde, bezogen sich auf die Preisgestaltung, die erhaltene, öffentliche Förderung und Weiterführung der Arbeit nach Ende der Subventionen, Rentabilität der Firmen im GITZ, die Branchen- und Technologiespezialisierung sowie die Entwicklungsperspektiven des Zentrums.

Derart renommiert und gut vernetzt findet das GITZ seine Zielgruppe beispielsweise an den Universitäten in Hamburg und Harburg (TU). Sehr gute Kontakte gibt es unter anderem über Institutsleiter des HZG, die dort Lehrstühle innehaben. Der wirtschaftliche Erfolg und die finanzielle Unabhängigkeit des GITZ wuchsen mit den Jahren im Gleichschritt mit seinen Firmen. Neben Unternehmen wie RIFTEC ist hier aktuell vor allem die Firma Incoatec zu nennen (siehe rechts).

incoatec – weltweit erfolgreich

Kurz nach Eröffnung des GITZ 2002 als Vier-Mann-Betrieb gestartet, beschäftigt incoatec heute zehn Ingenieure, elf Techniker und neun Naturwissenschaftler bei der Entwicklung und Produktion von Röntgenoptiken. Sechs beziehungsweise drei Jahre hatten die späteren Firmengründer Carsten Michaelsen und  Jörg Wiesmann zuvor am GKSS – dem heutigen HZG – geforscht und ihre Prototypen entwickelt. Dabei werden zur Oberflächenanalyse von Materialien Röntgenstrahlen gebündelt, in deren Licht sogar der Abstand zwischen einzelnen Atomen messbar wird. Ob in der Chemie, Physik oder Biologie – überall, wo kleinste Strukturen untersucht werden sollen, ist dieses hoch spezialisierte Verfahren von Bedeutung.

„Im Bereich der Materialforschung haben wir weltweit nur drei Konkurrenten“, sagt Firmenchef Dr. Jörg Wiesmann. Da wundert es nicht, dass incoatec bereits 2003 den Schmidt-Römhild-Technologiepreis gewann. 2007 wurde die Firma zudem als familienfreundlichstes Nachwuchsunternehmen ausgezeichnet. Der Jahresumsatz lag 2011 bei sechs Millionen Euro. Von anfänglich 100 Quadratmetern in 2002 wuchs der Betrieb im GITZ bis heute kontinuierlich auf 1.500 Quadratmeter an. Doch die Produktpalette wächst immer weiter. Wiesmann rechnet mit einer Verdoppelung des Platzbedarfs.  

"Wir möchten als GITZ incoatec gern am Standort halten und wollen möglichst bis Ende 2013 ein weiteres Gebäude bauen“, so Dr. Rainer Döhl-Oelze. Das macht insofern Sinn, als incoatec im direkten Umfeld des GITZ Partner und Zulieferer gefunden hat. Wiesmann: „Für ein High Tech-Unternehmen sind die Mitarbeiter das Wichtigste; Deshalb ist dieser Standort im Osten Hamburgs für uns so wichtig."

 

incoatec-Gründer Jörg Wiesmann und Carsten Michaelsen (von links) in einem Produktionsraum.
incoatec-Gründer Jörg Wiesmann und Carsten Michaelsen (von links) in einem Produktionsraum.