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Bundesweiter Schulversuch am BBZ Mölln

Fachschule für Elektromobilität

Im Bereich der umweltfreundlichen Antriebstechniken nimmt die Elektromobilität einen wichtigen Platz ein. Das spiegeln auch aktuelle Entwicklungen im Bereich der Automobilindustrie. Am Regionalen Berufsbildungszentrum des Kreises Herzogtum Lauenburg – dem BBZ Mölln - werden in der Abteilung Elektro- und Metalltechnik derzeit in einem bundesweiten Schulversuch die Inhalte einer Ausbildung zum Techniker im Bereich Elektromobilität entwickelt.

Die Bundesregierung erwartet in diesem Bereich eine rasante Entwicklung und ein Fahrzeugvolumen von bis zu einer Millionen PKW bis 2020. Die Mobilität im Zweiradbereich steigt ständig, elektrisch angetriebene Reinigungs- und Transportfahrzeuge sind in vielen Bereichen bereits Standard.

Diese Entwicklung braucht technische Fachkräfte, Facharbeiter, Techniker und Ingenieure, an denen es derzeit noch mangelt. Seit 2009 verfolgt die Bundesregierung deshalb in einem „Nationalen Entwicklungsplan“ eine entsprechende Ausbildungsinitiative. Mit einer Fachschule für Elektromobilität wird der Kreis Herzogtum Lauenburg zum innovativen Akteur bei der Verwirklichung der Energiewende.

Leiten wird diese Entwicklung am BBZ Mölln Studiendirektor Bernd Markmann. Der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik gibt im WFL-Newsletter einen Einblick in das Thema, den derzeitigen Stand der Entwicklung und die Bedeutung des Projekts für das Lauenburgische.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Elektromobilität

Elektro-Ingenieur Bernd Markmann
Elektro-Ingenieur Bernd Markmann (62) leitet die Abteilung für Elektro- und Metalltechnik am BBZ Mölln.

Bernd Markmann/BBZ Mölln
Aufgrund der Verknappung des Energieträgers Erdöl wird zukünftige Fahrzeugtechnik in hohem Maße durch regenerative Energien bestimmt sein. Diese wird in gespeicherter Form für elektrische Antriebe genutzt werden - durch reine Elektrofahrzeuge oder durch so genannte Hybridfahrzeuge. Die Entwicklung der entsprechenden Energiespeicher und Fahrzeuge sind zentrale Entwicklungsziele aller Fahrzeughersteller. Die deutschen Automobilbauer haben später als die internationale Konkurrenz derartige Fahrzeuge in ihre Produktpalette aufgenommen. Um international künftig konkurrenzfähig zu bleiben werden für den weiteren Ausbau dieser Technologie und deren Verbreitung die erforderlichen Fachkräfte auf allen Ebenen (Facharbeiter, Techniker, Ingenieure) gebraucht.

Zurzeit lassen sich grundsätzlich zwei große Arbeitsschwerpunkte im Bereich der Elektromobilität identifizieren:

  • Fahrzeugtechnik: Kraftfahrzeugtechnik, Kleinfahrzeuge (Gabelstapler, Kommunalfahrzeuge, selbst fahrende Reinigungsgeräte, etc.) und
  • Elektroenergiemanagement: Energieversorgung und Energieverteilung für elektromobile Fahrzeuge und Geräte (Akkumulatoren, Brennstoffzellen, individuelle Ladestationen, Ladestationen im öffentlichen Stromnetz) sowie die Installationstechnik für Versorgungseinrichtungen

Da es sich bei der Entwicklung, Produktion, Wartung, Instandhaltung, Reparatur und späteren Entsorgung dieser Fahrzeuge sowie dem Energiemanagement insgesamt um sehr hochwertige Arbeiten handelt, sind neben dem Facharbeiterniveau auch immer die Anschlüsse zur postsekundären Technikerausbildung und die Durchlässigkeit zur Fachhochschule/Hochschule sicher zu stellen.

Der zweite Bericht der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ der Bundesregierung weist insbesondere auf die zentrale Bedeutung hin, alle Bereiche und Akteure der akademischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung umfassend auf die Herausforderungen des Technologiewandels hin zur Elektromobilität vorzubereiten. Besonderes Augenmerk liegt demzufolge auf einer intensiven Kommunikation und Vernetzung der Akteure der akademischen und beruflichen Bildung.

Wirtschaftliche Bedeutung der Fachschule für die Region

Neben der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung liegt ein wesentlicher Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Schleswig Holsteins in einer Fachschule für Elektromobilität. Die Wirtschaft im südlichen Teil unseres Landes in der Metropolregion Hamburg ist primär nicht von der Automobilindustrie geprägt, so dass das Möllner BBZ mit dem Angebot seiner Fachschule nicht nur den Hersteller von Fahrzeugen in den Fokus nehmen kann. Es geht hier vielmehr um die Umgebung von Elektrofahrzeugen, dem Elektroenergiemanagement der Energiespeicherung und der Energieverteilung.

Die Azubis zum Elektrotechniker Jan Klußmeyer und Dennis Lehnhardt (vorn von rechts) an einem Modell mit Elektroantrieb durch eine Wasserstoffzelle im BBZ Mölln. Foto: ust

Das BBZ setzt auf das in der Region vorhandene Potenzial an möglichen Kooperationspartnern. Dazu zählen namhafte Energieversorgungsunternehmen, eine Vielzahl von kommunalen Versorgungseinrichtungen (E-Werke), Hersteller von Elektrotransportfahrzeugen und  Reinigungsgeräten, die Neuansiedlung eines Herstellers von Hochleistungsbatterien (s. Art. zu ECC Repenning), die Hersteller und Verleiher von Elektro–Fahrrädern (s. Art. Zu Wondervelo), Elektrofachbetriebe des Handwerks und der Elektrofachhandel.

Hier gilt es, Führungskräftenachwuchs heranzubilden, der dem Anspruch am Aufbau einer Infrastruktur Elektromobilität gewachsen ist. Das BBZ Mölln stellt sich dieser innovativen Aufgabe. Gemeinsam mit dem Bestreben, jungen Menschen in der Region Chancen auf ökonomisch verwertbare Qualifikationen zu eröffnen, stellt die Erweiterung des Fachschulangebots einen weiteren Beitrag zur Wirtschaftsförderung in unserer Region dar. Damit kommt der Einrichtung der Fachschule für Elektromobilität für die Region eine große Bedeutung zu.

www.rbzmoelln.de