Förderung

Programm „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ nimmt Fahrt auf

Trotz anhaltendem Fachkräftemangels suchen weiterhin rund 750.000 Langzeitarbeitslose in Deutschland einen Job. Ohne Hilfe ist ihre Rückkehr in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung schwierig oder unmöglich. Das Programm „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) will dies seit 2019 ändern. Die WFL wird in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Mölln über Erfolge des Programms berichten und besuchte zum Auftakt den Heidehof Sterley.

Carina Hemcke (v. li.) mit ihren Arbeitgebern, Franka und Gerhard Dörfel auf dem Heidehof Sterley.

Lebensläufe verlaufen nicht immer „gerade“. Schicksalsschläge oder Krankheit können den beruflichen Werdegang eines Menschen vehement beeinflussen. Tritt Arbeitslosigkeit ein, ist der damit verbundene Selbstwertverlust einer positiven gesundheitlichen und/oder persönlichen Entwicklung zusätzlich abträglich. Dazu Beschleunigung und Digitalisierung - und plötzlich steht man „außerhalb des Spielfeldes“. Um diese Situation zu entschärfen, hat das BMAS das Programm „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ ins Leben gerufen.

Unter dem Titel „MitArbeit“ hat das BMAS Anfang 2019 ein Gesamtkonzept zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit vorgelegt. Von der Förderungen durch das Instrument „Teilhabe am Arbeitsmarkt" (§ 16i SGB II)  profitieren Menschen, die älter als 25 Jahre sind, für mindestens sechs Jahre in den vergangenen sieben Jahren Arbeitslosengeld II bezogen haben und in dieser Zeit nicht oder nur kurzzeitig beschäftigt waren. 

Übernahme des Arbeitsentgeltes zu 100 Prozent

In den ersten beiden Jahren des Arbeitsverhältnisses werden die Lohnkosten zu 100 Prozent übernommen. Im dritten Jahr beträgt der Zuschuss 90 Prozent, im vierten Jahr 80 Prozent und im fünften Jahr des Arbeitsverhältnisses 70 Prozent. Der Lohnkostenzuschuss bemisst sich für tarifgebundene und tariforientierte Arbeitgeber sowie für Arbeitgeber, die nach kirchlichen Arbeitsrechtsregelungen entlohnen, nach dem gezahlten Arbeitsentgelt – für andere Arbeitgeber nach dem gesetzlichen Mindestlohn. Für Weiterbildungsmaßnahmen stehen außerdem während der Beschäftigung bis maximal 3.000 Euro zur Verfügung.

Während der Förderung werden die Betriebe und Arbeitnehmer von Coaches begleitet. Letzteren wird durch eine individuelle und vertrauensvolle Beratung geholfen, ihre persönlichen Stärken zu erkennen und zu entwickeln, im Berufsleben wieder Fuß zu fassen und Probleme am neuen Arbeitsplatz, in der Familie oder bei Schwierigkeiten mit der Organisation des Alltags zu lösen. 

Zentrale Bedeutung haben die Jobcenter vor Ort, die durch die intensive Betreuung, individuelle Beratung und die gezielte Suche nach passenden Arbeitgebern neue Perspektiven für ihre Klientel schaffen. Sie stehen Arbeitssuchenden wie potentiellen Arbeitgebern mir Rat und Tat zur Seite. „Arbeit zu haben und für sich selbst sorgen zu können, ist eine Frage der Würde und der Teilhabe“ stellt dazu Ulrich Elsweier vom Jobcenter in Mölln fest. Er und sein Team freuen sich über erste Erfolge bei der Vermittlung von Arbeitsverhältnissen im Rahmen der neuen Fördermöglichkeiten:

Es ist früher Morgen auf dem Heidehof Sterley. Carina Hemcke macht ihre Runde, betritt die Stallungen und Paddoks und sieht nach den unzähligen Islandpferden darin. Sind alle Tiere wohlauf, bewegen und verhalten sich normal? Die junge Frau arbeitet auf dem Islandpferdegestüt von Gerhard und Franka Dörfel in der Sterleyer Heide. Jüngst hat die 32-Jährige die Prüfung zur Pferdepflegerin bestanden und will jetzt hier die nächsten Schritte machen. Dass dies möglich ist, verdankt sie vor allem dem Programm „Soziale Teilhabe“ des BMAS.

Förderung schafft Zeit für Entwicklung

„Wir achten beim Stallteam sehr auf Effizienz, das Personal muss die Kosten einspielen“, erklärt Gerhard Dörfel. Deshalb sei die Unterstützung für den Zeitraum von bis zu fünf Jahren enorm hilfreich. Dörfel: „Jetzt hat Carina weiterhin die Zeit, sich an Takt und Rhythmus des Alltags zu gewöhnen, langsam die Bedienung von Maschinen – etwa für die Fütterung – zu lernen sowie sich im Umgang und der Arbeit mit den Pferden und schließlich den Kunden weiter zu entwickeln.“  Ziel dieser Entwicklung soll die Ausbildung zur Pferdewirtin sein.

Um diesen Ausbildungsplatz hatte sich Carina Hemcke 2017 bei den Dörfels beworben. Doch im Gespräch wurde schnell klar, dass die Anforderungen für diesen Schritt (noch) zu hoch waren. Allein der damit verbundene Kontakt zu den Kunden hätte die schweigsame Frau überfordert. „Es ist schon viel passiert, vor zwei Jahren wäre ein spontanes, normales Gespräch gar nicht ohne weiteres möglich gewesen“, erzählt Franka Dörfel und ergänzt: „Es braucht eben Zeit nach Lebenskrisen, bis sich alles wieder einspielt und man erkennt, was das Problem ist.“