WFL-Veranstaltung für Unternehmer im Möllner Quellenhof

„Künstliche Intelligenz für KMU - Möglichkeiten und Grenzen“

Zu Vortrag und Podiumsdiskussion zum Thema „Künstliche Intelligenz“ lud die WFL am Mittwoch, 28. November, von 17.30 bis 20 Uhr Unternehmer aus dem Kreis in den Möllner Quellenhof.  Das Thema Digitalisierung ist schon das ganze Jahr Bestandteil der Veranstaltungen der Wirtschaftsförderer aus Ratzeburg und wird es auch zukünftig bleiben. Gemeinsam mit der IHK zu Lübeck und dem Verein „Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein“ (DiWiSH) wurde der Status Quo der neuen Technologie beleuchtet.

In der Medizin erfolgreich im Einsatz

Wenn beispielsweise eine Maschine für den Weg von A nach B auf einer Straße mit Kurs/Richtung und Geschwindigkeit programmiert wird, muss sie an einer Sperrung durch  eine Baustelle scheitern, wenn der Programmierer dazu keine Informationen eingegeben hat. Ein intelligentes Aggregat hingegen bewertet das Hindernis und verändert „beim nächsten Anlauf“ sein Verhalten, bis es erfolgreich ist, also die Sperrung umfährt.

Bereiche, in denen die KI bereits erfolgreich eingesetzt wird, sind Computer für Spiele wie Schach oder Go, in Spielshows oder in der medizinischen Diagnostik (z.B. Radiologie) sowie Robotik. Internet-Marktführer Google nutzte die Künstliche Intelligenz, um seinen Energieverbrauch zu senken, was die KI um unglaubliche 40-50 Prozent bewerkstelligte. Die Ersparnis betrug mehr als 100 Millionen Dollar.

„Big Data“ – das Problem bei der Programmierung von KI

Stefan Tecuceanu, Meetplace GmbH

„Natürlich gibt es auch Ängste vor dem, was die Künstliche Intelligenz tut“, so Stefan Tecuceanu. Da wäre die Angst, dass sie unseren Arbeitsplatz kostet oder etwas tut, ohne unser Wissen oder das wir nicht wollen. Tecuceanu: „Es werden Arbeitsplätze durch die KI wegfallen, aber es entstehen auch neue.“ Das grundsätzliche Problem in der gegenwärtigen Situation bei der Entwicklung von KI sei, so Tecuceanu, dass diese eine enorme Menge an Daten brauche. Anders gesagt: Um intelligent agieren zu können, müssen in der Maschine alle Parameter für jede denkbare Situation eingespeist werden. Und entscheidend ist hier die hohe Qualität der Daten.

Doch wo kommen heute mittelständische Unternehmer mit KI in Berührung oder können sie effizient einsetzen? Typische Bereiche in Betrieben sind das Überwachen von Räumen, Führen von Listen oder Melden von Arbeitsunfällen. Im Bereich der automatischen Dokumentenerkennung entstehen Programme für die Bearbeitung von Rechnungen und der Verknüpfung von deren Inhalten mit Finanzamt und Buchhaltung. Aber auch hierfür sei die Voraussetzung wieder „Big Data“ – das Einspeisen sehr großer Datenmengen.

So steckt die KI für den Markt der KMU also noch in ihren Anfängen. Tecuceanu betonte aber: „Wir leben im Zeitalter der Beschleunigung und haben nicht mehr die Zeit, ein Projekt über Jahre zu planen. Wir müssen uns verändern und bereit sein, auch in kleinen Schritten zu scheitern.“

Podium mit dem Chef der Staatskanzlei SH

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion stellten sich den Fragen von Moderatorin Kathrin Ostertag und dem Publikum neben Referent Stefan Tecuceanu auch Dr. Oliver Witt von der cbb software GmbH, Dr. Christian Wiele von der Atlantic Tech & Candy GmbH, Roman Spendler vom Verein DiWiSH sowie Dirk Schrödter, Chef der Staatskanzlei Schleswig-Holstein.

Dr. Oliver Witt berichtete vom Einsatz Künstlicher Intelligenz bei der präventiven Kontrolle, also dem rechtzeitigen Aufzeigen von Störungen, bevor eine Maschine durch einen Defekt ausfällt: „Bei cbb bringen wir einer Maschine bei, was normal ist und sie erkennt dann, wenn ein Fehler auftritt.“ Auch in der Qualitätskontrolle wird KI bereits eingesetzt. 

„Doch wie sollen die KMU in Schleswig-Holstein KI in ihren Betrieben implementieren, wenn Unternehmer, die in dem Flächenland unterwegs sind, immer noch in Funklöcher fahren?“, wollte Kathrin Ostertag von Dirk Schrödter wissen. Der Chef der Staatskanzlei berichtete, dass sich die Landesregierung der Wichtigkeit des Themas Digitalisierung und KI bewusst sei und neben der benötigten Infrastruktur wie der flächendeckenden Breitbandversorgung auch im Bereich der Weiterentwicklung und Förderung dabei sei, das Thema voranzutreiben. 

Podiumsrunde mit (von links) Dr. Oliver Witt (cbb software GmbH), Dr. Christian Wiele (Atlantic Tech & Candy GmbH), Kathrin Ostertag (IHKJ Lübeck) Stefan Tecuceanu (MeetPlace), Dirk Schrödter, Chef der Staatskanzlei Schleswig-Holstein sowie Roman Spendler (DiWiSH e.V.).

China auf dem Weg zur Marktführerschaft

Während in Deutschland noch und nicht zuletzt um rechtliche Fragen und – auch gesetzliche – Rahmenbedingungen gerungen wird, erklärte China bereits, bis 2030 weltweit führend im Bereich der KI werden zu wollen, wozu ein entsprechendes Programm vorliegt. Dieses Thema, so Schrödter, dürfe China nicht überlassen werden: „In Europa gibt es bei der Entwicklung der KI Nachholbedarf; Aber das geht nur zusammen mit der Wirtschaft.“

Ab 19.30 Uhr nutzten die Teilnehmer an den Stehtischen bei einem Imbiss die Gelegenheit, einzelne Aspekte zu erörtern, Fragen zu beantworten und weitere Aspekte des Themas KI zu diskutieren.Ulf Hahn hatte sich im Namen der WFL bei allen Beteiligten für ihr Engagement bedankt und alle Gäste um konstruktive Kritik und Anregungen gebeten. Ohne Rückmeldung aus der Unternehmerschaft sei effiziente Wirtschaftsförderung kaum möglich. 

Hahn verwies dazu auf die Eröffnung des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums in Kiel am 06. Dezember. Hier werden praxisnahe Beispiele für kleine und mittelständische Unternehmen präsentiert. Diese Einrichtung gibt es schon in vielen anderen Bundesländern und ist nun endlich auch hier in Schleswig-Holstein eingerichtet worden. 

http://www.digitales-kompetenzzentrum-kiel.de

Kompetenzzentrum in Kiel